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14. April 2018: 250. Todestag von François de Cuvilliés – ein Jahrhundertarchitekt prägt Bayern

reiche zimmer DE000069Am 14. April 2018 jährt sich zum 250. Mal der Todestag eines der Größten in der Welt des bayerischen Rokoko – auch wenn seine Laufbahn ursprünglich ganz klein, als „kurfürstlicher Kammerzwerg“, so die damalige Amtsbezeichnung, begann: François de Cuvilliés der Ältere (1695 - 1768), Architekt, Entwerfer und Dekorationskünstler am kurbayerischen, kurzfristig sogar kaiserlichen Hof der Wittelsbacher Max Emanuel (reg. 1679 - 1726), Karl Albrecht (reg. 1726 - 1745, ab 1742 als Kaiser Karl VII.) und Max III. Joseph (reg. 1745 - 1777). Die Bayerische Schlösserverwaltung ehrt den Jahrhundertarchitekten mit besonderen Themenführungen. Zur Welt kam Cuvilliés Ende des 17. Jahrhunderts in einfachen Verhältnissen im belgischen Hennegau, damals ein Teil der von den spanischen Königen beherrschten Südlichen Niederlande, die dort durch Statthalter regierten. Seit 1692 bekleidete Bayerns kunst- und prachtliebenden Kurfürst Max Emanuel das Statthalteramt. Mit noch nicht ganz elf Jahren fand der später als „sehr klein, aber gut gebaute“ Knabe beschriebene Cuvilliés in der älteren Tradition der Hofzwerge Aufnahme in Max Emanuels belgischem, später im Münchner Hofstaat. Schnell wurde man auf das künstlerische Riesentalent des „nain de cuviler“ aufmerksam. Einer ersten Ausbildung als Festungsbauingenieur und Zeichner folgten 1720/24 Studienjahre im internationalen Kunstzentrum Paris.
Zurück in München beginnt dann unter der Herrschaft von Max Emanuels Sohn und Nachfolger Karl Albrecht die Reihe der großen Projekte. Sie verbinden Cuvilliés Namen für immer mit München und seinen heute von der Bayerischen Schlösserverwaltung umhegten Schlössern und stellen beglückende Sternstunden in der Kunst des 18. Jahrhunderts dar: Mit dem Hofbaumeister Joseph Effner arbeitet Cuvilliés 1726/30 an der Ausstattung der neu errichteten Ahnengalerie und dem angrenzenden Schatzkabinett in der Münchner Residenz. Es folgt die Neuausstattung des im Geschoss darüber am Grottenhof gelegenen Paradeappartement Karl Albrechts, dessen ältere, von Effner entworfene Ausstattung 1729 in einem verheerenden Brand verloren ging. Unter Cuvilliés Leitung 1730/37 wandelt sich die ehemalige Brandstätte zu einer Raumfolge von überwältigender und zugleich höchst eleganter Pracht, die dem höfischen Zeremoniell und der galanten Festkultur des Rokoko gewidmet ist – ein Appartement von wahrhaft kaiserlichem Anspruch: denn der neue Kurfürst Karl Albrecht strebt nach der Krone des Reichs und ist daher bestrebt, vor den Augen Europas in seiner Münchner Residenz eine Hofhaltung von imperialen Pracht zu entwickeln! Zu Recht werden die neuen Gemächer als die „Schönen“, ab dem 19. Jahrhundert auch als die „Reichen Zimmer“ bezeichnet. Mit dazu zählt auch die Grüne Galerie, die den kurfürstlichen Gästen Perlen der Wittelsbacher Gemäldesammlung präsentiert, die seit 2011 wieder in ihrer ursprünglichen Hängung bewundert werden können. 
Mit ihrer übergreifenden, von Cuvilliés konzipierten und von einer erprobten Mannschaft hochtalentierter Hofkünstler umgesetzten Dekoration und Möblierung, die einer subtilen Steigerung des Prunks folgt, stellen Cuvilliés-Residenzräume einen Höhepunkt der profanen Raumkunst des Rokoko dar, der seit der Rekonstruktion der im Weltkrieg untergegangenen Bestandteile der wandfesten Ausstattung wieder im vollen Umfang gewürdigt und genossen werden kann. 
Auch in der zweiten großen Münchner Schlossanlage Nymphenburg ist Cuvilliés tätig geworden: Vor allem die 1734/39 für Karl Albrechts Gemahlin Maria Amalia gestaltete Amalienburg im Nymphenburger Schlosspark mit ihrem blau-silbernen Spiegelsaal stellt einen traumhaften Gipfelpunkt in Cuvilliés galant-intimer und zugleich höchst repräsentativer Raumkunst dar. 

Auch für den bayerischen Adel, den Kasseler und den kurkölnischen Hof arbeitete Cuvilliés als Architekt und Entwerfer
Die bayerischen Staatfinanzen unter der Regierung von Karl Albrechts Sohn und Nachfolger Max III. Joseph ließen ähnlich große höfische Bauprojekte wie in den 1730er Jahren nicht mehr zu. Eine geplante großflächige Modernisierung der Residenz kam über das Planungsstadium nicht hinaus. Und doch konnte der 1763 zum kurfürstlichen Oberhofbaumeister aufgestiegene Cuvilliés seine Laufbahn noch mit einem glanzvollen Alterswerk bekrönen, das noch heute die Betrachter in Entzücken versetzt: Ab 1750 errichtete Cuvilliés für den kurfürstlichen Hof neben der Residenz das „Neue Opera-Hauß“, ein im festlichen Farbakkord von Weiß, Rot- und Gold strahlendes Hoftheater im reifen Rokoko-Stil. Nach der Zerstörung der originalen Raumschale im Zweiten Weltkrieg und der Wiedereinrichtung des geretteten Logenhauses empfängt es bis heute die Besucher im Apothekenstock der Münchner Residenz unter seinem neuen Namen, das den kleinen, großen Künstler feiert: das Cuvilliés-Theater.

Foto: © Bayerische Schlösserverwaltung |Residenz München, Enfilade der Reichen Zimmer

Veranstaltungen zur Jubiläum
Zur Würdigung Cuvilliés bietet die Bayerische Schlösserverwaltung einige Sonderführungen an:  

Sonntag, 15. April 2018, 13.30 Uhr
Themenführung in der Residenz München von Dr. Max Tillmann:
„François de Cuvilliés – Rokoko-Designer und Ausnahmetalent am Münchner Hof“
Treffpunkt: Kasse Residenzmuseum
Kostenlose Führung; es ist nur der reguläre Eintritt (Residenzmuseum) zu zahlen.
Ohne Anmeldung

Dienstag, 17. April 2018, 16.30 Uhr
Themenführung zu den Parkburgen im Schlosspark Nymphenburg von Dr. Max Tillmann:
Cuvilliés' Amalienburg. Ein kühler Traum in Silber und Farbe
Treffpunkt: Haupteingang Schloss Nymphenburg
Kostenlose Führung; es ist nur der reguläre Eintritt (Parkburgen) zu zahlen.
Ohne Anmeldung

Weitere Informationen zu Themenführungen in den bayerischen Schlössern finden Sie www.schloesser.bayern.de bzw. http://www.schloesser.bayern.de/deutsch/aktuell/fuehrung/fuehrung.asp. Zu Cuvilliés berichtet auch der Residenzblog der Bayerischen Schlösserverwaltung zum Thema „Ausgekocht! – François Cuvilliés revolutioniert die Küchentechnik“: http://www.residenz-muenchen-blog.de/?p=4640. Besuchen Sie uns auch auf Facebook und Instagram.

Die Bayerische Schlösserverwaltung
Die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen ist eine der traditionsreichsten Verwaltungen des Freistaates Bayern. Als Hofverwaltung der Kurfürsten und der Könige entstanden, ist sie heute mit 45 Schlössern, Burgen und Residenzen sowie weiteren Baudenkmälern einer der größten staatlichen Museumsträger in Deutschland. Dazu kommt noch ein ganz besonderes geschichtliches Erbe: die vielen prachtvollen Hofgärten, Schlossparks, Gartenanlagen und Seen. Die einzigartigen Ensembles europäischer Architektur gepaart mit reichhaltiger künstlerischer Ausstattung ziehen jährlich über fünf Millionen Besucher aus aller Welt an.

 

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