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Neue Tore für Schloss Schleißheim - zwischen Hightech und künstlerischer Interpretation

portal ausgebautAb heute ist in der Fassade des Neuen Schlosses Schleißheim etwas ganz Neues und Kunstvolles zu sehen: Die aufwendigen Kopien der geschnitzten Portale Ignaz Günthers von 1763 – die originalen Eichenportale zählen zu den bedeutendsten Kunstwerken im Besitz der Bayerischen Schlösserverwaltung. Die Bayerische Schlösserverwaltung hat in den vergangenen zehn Jahren mit den Portalen ein Projekt realisiert, in dem es gleichermaßen denkmalpflegerische, technische und künstlerische Herausforderungen zu meistern galt. Seit ihrer Entstehung vor 250 Jahren haben Witterungseinflüsse deutliche Spuren an den Toren hinterlassen. Um die Portale vor dem weiteren Verfall zu schützen hat sich die Bayerische Schlösserverwaltung im Jahr 2008 dazu entschlossen, die beweglichen Türflügel komplett durch bildhauerische Kopien zu ersetzen. Der Weg vom Original zur Kopie war komplex und stellte besondere Anforderungen an die Restauratoren, Wissenschaftler, Techniker und natürlich die Bildhauer, die den individuellen künstlerischen Ausdruck überzeugend einfangen mussten. Moderne Hightech-Verfahren gingen Hand in Hand mit der bildhauerischen Bearbeitung. In Vorbereitung der Kopie der Günther-Portale wurden konzeptionelle Überlegungen angestellt und die technischen Möglichkeiten zur Realisierung dieser großen Aufgabe innerhalb der Fachabteilungen der Bayerischen Schlösserverwaltung erörtert. Dabei stand die Frage im Vordergrund, ob die Kopie den aktuellen Zustand mit allen witterungsbedingten Verlusten übernehmen soll oder es gerechtfertigt ist, bestimmte Details in freier Gestaltung wiederherzustellen. „Wir haben uns entschieden, die abgeflachten Reliefs und Detailverluste in der Kopie so herauszuarbeiten, dass die ursprüngliche Vielschichtigkeit der Bildhauerarbeit Ignaz Günthers wieder erlebbar wird“, freut sich Bernd Schreiber, Präsident der Bayerischen Schlösserverwaltung. So ist eine Kopie mit Ergänzungen entstanden, bei der es sich in Teilbereichen um eine dem Original angenäherte Interpretation handelt. Damit ist das Werk rückblickend jederzeit ins 21. Jahrhundert datierbar. Dennoch verfügt die Kopie über eine herausragende Qualität, die von den Bildhauern der Bayerischen Schlösserverwaltung gewährleistet wurde. 
Um die Arbeitszeit und die Kosten zu verringern bot es sich an, moderne Hightech-Verfahren als sinnvolle und kostensparende Arbeitshilfe zu nutzen. Zunächst wurden die Oberflächen der Türen gescannt. Anschließend erfolgte die Ausarbeitung der Türreliefs in Eiche – einem sehr schwer zu bearbeitenden Holz –  von einer spezialisierten Modellbaufirma mit Hilfe einer digital gesteuerten Fräsmaschine. Dabei wurden die Konturen der Darstellungen relativ genau herausgearbeitet. Für die bildhauerische Bearbeitung blieben ca. 1-2 Millimeter Material auf allen Oberflächen stehen.  Der Feinschnitt der vorgefrästen Bildreliefs erfolgte durch die Bildhauer in fast 4500 Stunden Handarbeit, da nur so eine spezifische Bildschnittoberfläche entsteht, wie sie von anderen Werken Ignaz Günthers bekannt ist. Die Kosten für die Digitalisierung und technische Umsetzung der Arbeiten in Höhe von rund 140.000 Euro wurden aus Bauunterhaltsmitteln über den sehr langen Realisierungszeitraum bestritten. Dank der großzügigen Spende der Mooseder-Stiftung konnten auch die abschließenden Holzarbeiten ausgeführt werden. Die originalen Portale von Ignaz Günther werden in den schützenden Innenraum verlagert und bleiben so auf lange Sicht museal erhalten.

Das Neue Schloss Schleißheim
Das Neue Schloss Schleißheim entstand im Auftrag Kurfürst Max Emanuels (1680-1726) ab etwa 1701. Im Jahr 1715 wurde  der Architekt Joseph Effner mit der Leitung der Planungen für den anspruchsvollen Bau beauftragt, um dem Bau den barocken Glanz zu verleihen. Mit der Gestaltung der Portaltore sowohl auf der Stadt- als auch auf der Gartenseite wurde der bedeutende Bildhauer Ignaz Günther (1725-1775) beauftragt. Die neu gestalteten Tore aus Eichenholz wurden 1763 eingebaut. Der Bildhauer gestaltete in den Rundbögen große Wappenfelder (Allianzwappen Bayerns und Sachsens), umrahmt von reichem Figurenschmuck, Fahnen und Dekor. An den zweiflügeligen Türen entstanden prächtige Bildreliefs mit Darstellungen, die Sinnbilder der Architektur und schönen Künste, der Jagd und Gartenkunst zeigen.
Weitere Informationen zum Neuen Schloss Schleißheim finden Sie unter www.schloesser-schleissheim.de.

Die Bayerische Schlösserverwaltung
Die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen ist eine der traditionsreichsten Verwaltungen des Freistaates Bayern. Als Hofverwaltung der Kurfürsten und der Könige entstanden, ist sie heute mit 45 Schlössern, Burgen und Residenzen sowie weiteren Baudenkmälern einer der größten staatlichen Museumsträger in Deutschland. Dazu kommt noch ein ganz besonderes geschichtliches Erbe: die vielen prachtvollen Hofgärten, Schlossparks, Gartenanlagen und Seen. Die einzigartigen Ensembles europäischer Architektur gepaart mit reichhaltiger künstlerischer Ausstattung ziehen jährlich über fünf Millionen Besucher aus aller Welt an.

Foto: Bayerische Schlösserverwaltung - 

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